Archiv der Kategorie: Kritik

Kommentar zur Schlacht Lom-Ali Eskijew vs. Saba Bolaghi: Real Warriors!

Wir sehen ein bezeichnendes Bild, kurz nach dem Duell zwischen Lom-Ali Eskijew und Saba Bolaghi, die sich am vergangen Samstag in Castrop-Rauxel bei der 9. Ausgabe von German MMA Championship, kurz GMC, gegenüberstanden. In Deutschland gehören diese beiden Athleten in Sachen Mixed Martial Arts mit zum Besten was es gibt und das weit über die Grenzen ihrer Gewichtsklasse hinaus. Die beiden ehemaligen Ringer setzten in der lom-saba-beitragsbildEuropahalle mit ihrer epischen Schlacht ein Ausrufezeichen, man spricht sogar vom Kampf des Jahres. Aber dieser Kampf ist auch aus einer anderen Sicht bemerkenswert. Denn endlich haben sich mal wieder zwei MMA Spitzenathleten in Deutschland getraut, gegeneinander anzutreten und daraus ein unvergessliches Ereignis gemacht. Und ja, man fand für die Annalen sogar einen Gewinner: Lom-Ali Eskijew durfte sich nach dem einstimmigen Punktsieg über 5 Runden den Gürtel des GMC Champions umschnallen,  absolut verdient. Doch genauso gut hätte man den Gürtel Saba Bolaghi aushändigen können, dann wäre es ebenfalls verdient gewesen, denn nach diesem Kampf muss sich weder Lom-Ali Eskijew dafür rechtfertigen, ob er nun 2 oder 3 Runden klar gewonnen hat, noch Saba Bolaghi, ob er das kleine Quäntchen hätte mehr tun müssen. Nein, diese Schlacht war so, wie es gelaufen ist, genau richtig. Als hätte man ein Drehbuch dafür geschrieben, für ein Kampfsportdrama, dem ich den Titel „Real Warriors“ geben würde.  Der Kampf und besonders dieses Bild erklären warum.

Bitte mehr davon MMA Deutschland.

Foto mit freundlicher Genehmigung von MMA Spirit/ Niels Schlaegel

Unglaublich: Shannon Briggs kämpft gegen Lucas Browne um die WBA Weltmeisterschaft!

Es ist kein Witz und auch keine Falschmeldung: Shannon Briggs erhält tatsächlich noch einmal die Chance, um die Weltmeisterschaft boxen zu dürfen. Wie der Weltverband WBA mitteilte, soll der 44-jährige US-Amerikaner gegen den ungeschlagenen Australier Lucas Browne (37) bis zum 31. Dezember um die reguläre Weltmeisterschaft im Schwergewicht boxen. Um den Titel des Superweltmeisters boxen im kommenden Frühjahr 2017 bekanntlich Ex-Weltmeister Wladimir Klitschko (40) und der 27-jährige Brite Anthony Joshua.

Mit der Ansetzung von Briggs vs. Browne wirft der Weltverband WBA viele Fragen auf. Die Wichtigste: was befähigt Shannon Briggs, dessen beste Tage als Schwergewichtler lange vorbei sind, um den bedeutenden WBA Titel zu boxen? OK, Briggs gehörten in jungen Jahren zwar zur erweiterten Weltklasse, aber konnte nie die ganz großen Glanzlichter in seiner langen Karriere setzen, um sich einen Platz unter den Top Schwergewichtlern seiner Generation zu sichern.

Seine 60 Siege bei 6 Niederlagen hören sich im ersten Moment sicherlich beeindruckend an, doch viele seiner Gegner gehörten nicht zur Weltspitze und waren letztlich Pflichtsiege. Unvergessen bleibt auch seine verheerende Niederlage 2010 gegen Vitali Klitschko (45) in Hamburg. Der Ukrainer verprügelte Briggs über 12 Runden krankenhausreif. Erwähenswert in diesem Kampf war: Briggs blieb 12 Runden als Punchingball stehen und kassierte die Prügel seines Lebens. Nach dem Kampf wurde der Ami mit Blaulicht in die Klinik gefahren. Er erlitt erhebliche Brüche des Gesichtsknochens am rechten und dem linken Auge, sowie einen Riss des Trommelfells.

Zudem fiel Briggs mit seinen zahlreichen Pöbeleien gegen Wladimir Klitschko auf. Er versuchte mit seinen Provokationen verzweifelt den Ex-Champ herauszufordern.

Doch der 44-jährige Briggs scheint irgendwo jemanden zu haben, der es gut oder schlecht mit ihm meint. Man kann nur hoffen, dass Briggs gegen Browne heil den Kampf übersteht und sich anschließend geläutert zur Ruhe setzt.

 

(AR)

Hat das MMA Verbot in Frankreich Auswirkungen auf Deutschland?

france-mmaIm Jahr 2008 hob man in Frankreich das MMA Verbot auf, um es jetzt etwas mehr als 8 Jahre später per Gesetz wieder einzuführen. Der Grund für das Verbot soll sein, dass Veranstaltungen nach „Unified Rules“ abgehalten wurden, die von den Behörden zwar nicht gewollt waren, aber ohne ein Gesetz auch nicht verhindert werden konnten. Mit dem jetzt geltenden Gesetz sieht die Sache ganz anders aus.

Was bedeutet das im Klartext für Frankreich?

  1. Das französische Sportministerium hat offiziell MMA Wettkämpfe verboten.
  1. Alle Kampfsportveranstaltungen, bei denen
  • die Ellbogen eingesetzt werden

  • auf dem Boden ins Gesicht geschlagen wird

  • die nicht auf Matten oder einem Ring ausgetragen werden

sind ohne Ausnahme verboten.

  1. MMA Training ist noch erlaubt
  1. Der nationale französische MMA Verband CAFMMA will gegen das Verbot vorgehen.

Hat das Verbot in Frankreich auch Auswirkungen auf Deutschland?

Schwer zu sagen, weil unsere Politiker immer mal gerne zu anderen europäischen Ländern in Sachen Gesetze rüber spinksen und solche, die man als nützlich erachtet, gerne auch bei uns diskutiert.

mma-szeneZudem haben MMA-Gegner wieder eine Diskussionsgrundlage erhalten. Bald könnte es heißen, was die Franzosen können, können wir auch und die haben nicht umsonst das Verbot ausgesprochen.

Also Vorsicht, denn all diejenigen, die glaubten, MMA in Deutschland würde wegen der einen Pre-Live Übertragung der UFC auf Pro 7 Maxx einen Schub erhalten haben, sollten sich noch nicht zu früh freuen. Auch in Deutschland steht der Sport auf wackligen Füßen, was in den Augen der MMA-Gegner nicht nur mit dessen Härte etwas zu tun hat, sondern MMA angeblich auch eine Plattform für kriminelle Organisationen und politisch motivierte Gruppierungen biete.

Aber auch die schlechte Reglementierung ist ein ganz großes Problem. Da es keinen anerkannten offiziellen Verband gibt, der sich einheitlich um Regeln, Strafen oder Dopingproben kümmert, wird MMA hierzulande auch argwöhnisch betrachtet. Zwar gibt es einige selbsternannte Verbände in Deutschland, die vorgeben, sich an bestimmte Regeln zu halten, doch keiner dieser Verbände hat in Wirklichkeit die Macht, z.B. einen Sportler von allen offiziellen rechtWettkämpfen auszuschließen. So gibt es neben fehlenden Dopingtest auch keine Überprüfungen der Sportler auf HIV, Hepatitis und andere ansteckende Krankheiten. Einige wenige Organisationen haben zwar kürzlich damit angefangen, in Selbstregie Tests durchzuführen, aber ohne eine anerkannte Instanz, die das ganze nachhaltig aufnimmt und verarbeitet, wie beispielsweise dann, wenn ein Sportler des Dopings überführt wurde. So würde man als Dopingsünder für das Event, bei dem man überführt wurde aus dem Verkehr gezogen werden, aber könnte ohne Probleme bei einem anderen Veranstalter starten.

Und wenn ein Athlet mit einem Urteil nicht zufrieden ist, muss man in Deutschland in den meisten Fällen beim Veranstalter Protest einlegen, der dann entscheidet, ob dem stattgegeben werden kann oder nicht. Manchmal läuft das heute so ab, dass 3 Referees zum Beispiel über Facebook angeschrieben werden, sich das Videomaterial des angeprangerten Kampfes anzusehen. Dabei kann es vorkommen, dass einer der Referees mit demjenigen, der den Protest eingelegt hat oder dessen Gegner, befreundet ist. Das Problem ist dann auch, dass Veranstalter so Druck auf einzelne Referees ausüben können.

Sieg und Niederlage1Mit anderen Worten fehlt es dem MMA ohne klare Strukturen die Seriosität, um als Sport von großen Teilen der Öffentlichkeit anerkannt zu werden. Es gibt nicht einmal ein neutrales Ranking, das sich nur an die Ergebnisse hält und danach die Athleten listet. Auch das ist die Aufgabe eines Verbandes, eine offizielle Rangliste einzuführen.

Damit man in Deutschland in naher Zukunft nicht ein zweites Frankreich erleben muss, müsste erst einmal ein Verband von allen Athleten und Veranstaltern anerkannt werden, die Presse aus der Verbandsarbeit raus gehalten werden und die Verbände müssen lückenlos ihre Einnahmen erklären und vor allem offenlegen können. Birgel2Zudem dürfen nicht in den Verbänden einzelne Gyms, Manager, Athleten oder gar die Presse Entscheidungsträger sein, sondern gewählte neutrale Personen, um die Seriosität zu gewährleisten. 

Macht man wie bisher weiter, läuft man Gefahr, aufgrund fehlender Strukturen und Transparenz das Deutsche MMA zur Zielscheibe der Politik werden zu lassen.

Lernen wir nichts aus Frankreich, wo man den Sport eben nicht nur wegen der Härte aus der Öffentlichkeit verbannt hat, sondern auch wegen fehlender Regeln, könnte MMA auch in Deutschland ganz aus der Öffentlichkeit verschwinden.

©Bilder und Grafiken von ®GFN sind symbolisch