Chisora vs. Parker: Ein verdienter Sieger und drei skandalöse Punktrichter

Frankfurt, 19.12.20214

Joseph Parker gewinnt verdient gegen Dereck Chisora 

Volles Haus in Manchester

Joseph Parker und Dereck Chisora lieferten sich am gestrigen Samstagabend in Manchester einen spektakulären Rückkampf über 12. Runden. Ein Kampf, welcher das Boxjahr 2021 für Boxfans in aller Welt abrundet. Totgeglaubte leben länger – dieses Sprichwort passt aktuell zum Schwergewicht wie zu keiner anderen Gewichtsklasse im Boxsport.

Tolles Boxjahr 2021

Das Jahr begann mit der Machtdemonstration von Oleksandr Ussyk, der den mehrfachen Weltmeister Anthony Joshua nicht nur enthornte, sondern derart deklassierte, dass man kaum Fantasie aufbringen kann, wie Joshua den Rückkampf gegen den in allen belangen technisch überlegenen Ussyk gewinnen soll. Dann kam der sensationelle Weltmeisterschaftskampf zwischen Tyson Fury und Deontay Wilder, die zum dritten Mal aufeinandertrafen und die erneut uns Fans mit feuchten Augen der Rührseligkeit zurückließen. Und der Kracher von Manchester zwischen Chisora und Parker setzte dem Jahr des Schwergewichtsboxen die Krone auf. Überhaupt kann man zufrieden mit der Weltelite im Schwergewicht sein. Die Leistungsdichte war noch nie so hoch wie 2021. Das fängt oben bei Fury und Ussyk an und geht weit über die Top-10 hinaus.

Einzig lassen uns die drei skandalösen Punktrichter sprachlos zurück. Dazu aber später mehr. 

Der Weg zur WM geht meistens über Chisora 

Drohgebärden?

Der Neuseeländer Joseph Parker fügte dem Engländer Dereck Chisora in der Manchester Arena die zwölfte Niederlage seiner Karriere zu. Es war schon die dritte in Folge und die zweite gegen Parker in diesem Jahr. Zuvor verlor Chisora 2020 gegen Ussyk und sah gegen den Ukrainer besser aus, als später sein britischer Landsmann Joshua. Man kann sagen, dass Chisora, so wenig man ihm mittlerweile noch einen großen Titel zutraut, einer der wichtigsten Schwergewichte nach den ganzen Titelaspiranten ist. Wer den bald 38-Jährigen bezwingt, bringt sich in Stellung für einen Titelkampf um einen der vier Gürtel der WBC, IBF, WBO und WBA. Allerdings sind drei der vier Gürtel bei Ussyk und den der WBC hält Tyson Fury.

Parker wäre wieder an der Reihe 

Nachdem die für 2022 geplanten WM-Kämpfe zwischen Fury gegen Interimsweltmeister Dillian Whyte und Ussyk und Joshua stattgefunden haben werden, muss eigentlich Ex-WBO-Weltmeister Joseph Parker eine neue Chance erhalten. Es kann aber sein, dass die Gewinner der zuvor genannten Titelkämpfe zum Ende nächsten Jahres 2022 gegeneinander antreten, um den unumstrittenen Champion im Schwergewicht zu ermitteln, der so notwendig ist, wie das das Amen in der Kirche.

Kriminelle Wertungen der Punktrichter machen betroffen

Auch wenn Chisora am gestrigen Samstagsabend eine kämpferisch starke Leistung gegen den Neuseeländer zeigte, waren die Wertungen von 115-110, 115-111 und 114-112 eine Unverschämtheit sondergleichen und machen betroffen. Parker schickte Chisora nicht nur dreimal in drei verschiedenen Runden zu Boden, sondern nahm er den ehemaligen Europameister über alle 12 Runden hinweg hart ran und gewann bei nüchterner Betrachtung neun Runden. Macht 117-108 von der GFN-Redaktion!

Für die peinlichen Wertungen hagelte es weltweit Kritik.

Das sind sträflich – kriminell- schlechte Wertungen. Parker hat drei Knockdowns erzielt und mindestens neun Runden gewonnen. Das sind untersuchungswütige Wertungen.

schrieb Chris Mannix von Sports Illustrated auf Twitter. 

Vielleicht die schlechteste Karte des Jahres. Ein Punktrichter hat also sechs Runden für Chisora gewertet, die beiden anderen fünf. Und ein Punktrichter gab Parker ein 10-9 in einer der Runden, in der er einen Knockdown erzielte. Lächerlich. Es war nicht schwer, den Kampf zu bewerten.

schrieb ESPN Boxexperte Mike Coppinger ebenfalls auf Twitter.

Weitere Tweets zu den skandalösen Punktrichtern findet ihr unten am Ende des Berichts.

Kriminelle Schwachsinnigkeit und ein britische Traum

Man muss aber Chisora zugute halten, dass er nach jedem Niederschlag irgendwie zurückkam und auch wenn er gerade in der zweiten Kampfhälfte meistens durch den Ring taumelte. Aber mit anderen Worten bedeuten die Punktwertungen nichts anderes, dass Parker ohne die Niederschläge nie und nimmer auf englischem Boden gewonnen hätte und das Ergebnis mit anderen Worten schon vorher feststand, was einer kriminellen Schwachsinnigkeit gleichkommt.

Parker zeigte zum Glück eine starke Leistung, da er es nicht darauf ankommen lassen wollte, den drei Punktrichtern (einer kam ausgerechnet aus Deutschland) die Entscheidung zu überlassen. Das war die einzige diskussionswürdige Gegebenheit in Manchester und man muss hoffen, dass England, die aktuell eine Macht im Boxsport sind, nicht in den kommenden Kampf zwischen Ussyk und Joshua eingreifen, um ihre geliebten Heimkämpfe mit zwei ihrer Lieblinge zu bekommen.

Der britische Traum von einem Duell zwischen Tyson Fury und Anthony Joshua lebt immerhin schon länger. Man will nicht wissen, was im Hintergrund wieder los ist, um sich das Wunschduell irgendwie sich zurecht zu biegen.

Parker hat immer eine Antwort parat

„Er war ein harter Kerl“, gab Parker nach dem Kampf in Richtung Chisora zu und lobte den Briten für dessen Kämpferherz zurecht über den grünen Klee . 

Parker war ab der ersten Runde voll im Kampf. Der 29-jährige Neuseeländer hatte in einer randvollen Manchester Arena (wo laut Panikmachern Omikron wütet), immer eine bessere Antwort auf den gut boxenden Chisora parat. Chisora etwas aggressiver als Parker, der wiederum klüger boxte und deutlich öfters traf. Chisora hatte von Anfang Probleme mit dem Neuseeländer. Er kassierte von Parker über 12 Runden harte Hände und vor allem einen beeindruckenden Aufwärtshaken nach dem anderen. Immer wieder fand sich der Brite in den Seilen wieder, wo ihm der Ex-Weltmeister hart zusetzte. Unbestritten ist, dass Chisora hart zurückkämpfte und ein riesiges Kämpferherz bewies und sogar zwei maximal drei Runde gewonnen haben dürfte, aber Parker wäre auch ohne Niederschläge der verdiente Sieger gewesen. 

Chisora blieb bis zum Ende mutig

Der Neuseeländer boxte großartig. In der neunten Runde schien Ringrichter Foster kurz davor zu sein, den Kampf abzubrechen. Parker setzte weiter schnelle und harte Hände ein, aber Chisora tat gerade genug, um im Kampf zu bleiben. Parker hatte auch in den Runden 11 und 12 die Oberhand, aber Chisora blieb bis zum Ende kämpferisch und mutig im Spiel und hoffte selbst auf einen Lucky Punch, in einem Kampf, der nicht sauber wirkte. Letztendlich wusste Parker die richtige Antwort auf alles zu geben. 

Lebenslange Sperren für Punktrichter

Was die drei Punktrichter angeht, so gehören alle drei lebenslang gesperrt. Traurig, dass auch ein Deutscher mittendrin war.

Übrigens hatte Joseph Parker, der 30 von 32 seiner bisherigen gewinnen konnte, das erste Duell gegen Chisora umstritten durch eine geteilte Entscheidung gewonnen. Chisora hat nun eine Bilanz von 32:12 und wird nicht mehr so schnell die Chance erhalten, um einen großen Titel zu boxen. Mit bald 39 Jahren sollte sich der Brite mit simbabwischen Wurzeln überlegen, bald die Boxhandschuhe an den Nagel zu hängen. Die vielen harten Schläge, die er zweifellos gut nimmt, könnten aber auf Dauer bleibende Schäden hinterlassen.   

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Chisora gegen Parker: Undercard-Ergebnisse

  • HAUPTKAMPF: Joseph Parker besiegt Derek Chisora durch UD in Runde 12
  • Kevin Lele Sadjo besiegt Jack Cullen durch TKO in Runde 6
  • Lerrone Richards besiegt Carlos Gongora durch SD in der 12
  • Zelfa Barrett besiegt Bruno Tarimo durch UD in der 12
  • David Nyika besiegte Anthony Carpin durch TKO in Runde 1
  • Alen Babic besiegte David Spilmont durch TKO in der 6
  • Sandy Ryan besiegte Maria Capriolo durch TKO in der 3
  • Rhiannon Dixon besiegt Vaida Masiokaite durch UD in der 6
  • Jordan Thompson besiegt Piotr Budziszewski durch KO in der 1.

(Änderungen vorbehalten)