UFC 269: Oliveira zu stark für Poirier | Pena gewinnt gegen Nunes

Rätsel um Nunes und Pena

UFC 269: Oliveira zu stark für Poirier | Pena gewinnt gegen Nunes

Die UFC ging in der vergangenen Nacht vom 11. auf den 12. Dezember 2021 (MEZ) in ihre letzte Pay-per-View-Veranstaltung des Jahres 2021 und bescherte uns eine unvergessliche Veranstaltung. Die 269. Ausgabe aus der T-Mobile Arena in Las Vegas hielt was sie versprach: Knockouts, Action und viel Dramatik. Egal ob es die Comeback-Qualität von Charles Oliveira war oder Julianna Penas sensationeller Sieg über die langjährige UFC-Championesse im Bantamgewicht, Amanda Nunes, alles war bei diesem Event dabei. 

Charles Oliveira übersteht harte erste Runde

Bei den Buchmachern und auch vielen Experten und Fans war nicht der UFC-Leichtgewichtschampion Charles Oliveira der absolute Favorit des Titel- und Hauptkampfes, sondern Dustin Poirier. Zumindest lagen alle gemeinsam richtig, dass diese Ansetzung uns allen einen großen Kampf bescheren sollte.  

Charles Oliveira überstand die erste Runde gegen Poirier mit etwas Glück, als er schnell zu Boden ging und wiederholt harte Schläge einstecken musste. Doch egal wie viel der brasilianische UFC-Leichtgewichtschampion einstecken musste, er antwortete immer mit Ellbogen und Knien, aber kassierte dabei fortwährend selbst Schläge. Trotzdem gehörte die erste Runde dem US-Amerikaner Poirier.  

In der 2. Runde sicherte sich Oliveira die Topposition am Boden und behielt sie über weite Strecken des Kampfes. Dabei hämmerte der Brasilianer dem mittlerweile chancenlosen Poirier unzähligemal die Ellbogen ins Gesicht. Erst Sekunden vor dem Ende der Runde ließ er ab.

Huckepack und mit Würgegriff zum Sieg

Oliveira eröffnete die 3. Runde mit einem schnellen Angriff und kletterte stehend huckepack auf den Rücken seines Gegners. Poirier bemühte sich nach Kräften, einen Rear-Naked Choke zu verteidigen. Doch jeder kennt das unmenschliche BJJ von Oliveira, der den Würgegriff immer tiefer und tiefer anpasste. Am Ende war es soweit und Poirier blieb keine andere Wahl, als abzuklopfen und dem Mann auf seinem Rücken seinen Tribut zu zollen. 

Fenster für Poirier schließt sich langsam

MMA kann so einfach und doch wieder so kompliziert sein. Nachdem Poirier zwei von drei Kämpfen in der Conor McGregor-Trilogie gewonnen hatte, waren sich die Fans und viele Experten sicher, dass er die UFC 269 mit dem Gürtel im Gepäck verlassen würde. Die Zuschauer in Las Vegas standen fast ausschließlich hinter dem sympatischen US-Amerikaner, der unbestritten zu den besten Leichtgewichten aller Zeiten gehört. Doch zu Gold reichte es bislang nicht und auch wenn er die Chance vielleicht noch einmal bekommen sollte: das Fenster schließt sich so langsam.

Er besaß zumindest den Interimstitel im Leichtgewicht der UFC und mit seinen Siegen über zweimal McGregor, zweimal Max Holloway, Eddie Alvarez, Anthony Pettis, Justin Gaethje, Dan Hooker und viele andere hätte es sich „The Diamond“ auch längst verdient, das UFC-Gold zu gewinnen, doch der härteste Kampfsport der Welt ist am Ende des Tages kein Wunschkonzert, sondern harte Realität. Deshalb weiter kein Titel für Poirier!

Was wäre wenn (Oliveira  vs. Khabib)

Für viele Fans stellt sich erneut die quälende Frage, was wäre wohl passiert, wenn die BJJ-Maschine Charles Oliveira auf seinen Vorgänger, Dominator Khabib Nurmagomedov, getroffen wäre. Zwei, die am Boden als nahezu unbesiegbar gelten, der eine im BJJ, der andere im Ringen eine Macht – wer würde wohl gewinnen? Das werden wir wohl nicht mehr erfahren, aber immerhin arbeitet sich Khabibs Schützling Islam Makhachev nach vorne und noch zwei Kämpfe und wir könnten zumindest mit eigenen Augen selbst Zeugen werden, ob Oliveiras brasilianischer Stil dem der russisch-dagestanischen MMA-Schule standhält. 

„Füchsin“ Pena überrascht alle

Julianna „The Venezuelan Vixen“ Pena war als Nummer 3 des UFC-Rankings sicherlich nicht die verdiente UFC-Titelherausforderin schlechthin, zumindest wenn man nach dem Prinzip unserer hochgezüchteten Leistungsgesellschaft geht. Letztendlich bedeutet das wenig, wenn man die wahrscheinlich größte Mixed Martial Arts-Künstlerin aller Zeiten bezwingt und zeigt, dass Rankings ein Richtwert sind, aber der Faktor Mensch nicht ausrechnbar ist. 

Größte Außenseiterin des Abends

Pena war auf der gesamten UFC 269 Karte die mit Abstand größte Außenseiterin des Abends. Wer auf die Dame aus Venezuela  einige große Scheine gewettet hätte, hätte ein kleines Vermögen gewinnen können. Pena ging mit einer Bilanz von 1:1 aus den letzten beiden Kämpfen in das Gefecht.  Sie gewann im Januar dieses Jahres gegen Sara McMann und verlor 2020 gegen Germaine de Randamie.

Die 13. sollte Nunes‘ Schicksal besiegeln

Nunes hatte dagegen 12 Siege in Folge gewinnen können: de Randamie, Holly Holm, Cris Cyborg, zweimal Valentina Shevchenko, Ronda Rousey, Miesha Tate, McMann und mehr. Ihre letzte Niederlage datiert aus dem Jahr 2014, als sie bei der UFC 178 gegen Cat Zingano durch eine TKO-Niederlage das Nachsehen hatte. Das sind mehr als sieben Jahre her und seither ist Nunes die unangefochtene Dominatorin. Aber die Unglückszahl 13. sollte ihr Schicksal besiegeln, denn die 12 tollen Siege vor Pena sollten in Las Vegas keine Rolle spielen.  

Nunes startet erwartet stark

Um es nicht in die Länge zu ziehen: Nunes gewann die erste Runde gegen Pena. Sie war die schlagkräftigere und präzisere Kämpferin. Pena, ähnlich wie Oliveira später am Abend, war das aber völlig egal. Die Herausforderin ließ sich nicht unterkriegen und nahm in der zweiten Runde all ihren Mut zusammen und lieferte sich mit Nunes einen offenen Schlagabtausch. Doch wer jetzt dachte, dass Pena einen Fehler begangen hatte, wurde eines besseren belehrt.

Nunes wackelt und verliert

Mit jedem Schlag den Nunes kassierte, wurde sie schlampiger und unpräziser. Pena schlug unentwegt und auch wenn ihre Schläge nicht besonders hart wirkten, die Championesse blutete aus der Nase und wirkte plötzlich ungewohnt unsicher und wacklig auf den Beinen. Pena machte das einzig richtige und zog Nunes auf den Boden, wo sie die Titelträgerin fast mühelos durch Rear-Naked Choke bezwang. Peng. Eine der größten Überraschungen in der Geschichte des MMA war perfekt. 

Irgendwas stimmte an diesem Kampf nicht

Doch irgendetwas an diesem Kampf stimmte nicht. Es ist sicherlich nicht so, dass man jetzt über Betrug im Sinne einer Absprache reden muss, aber wenn man sich die Vorzeichen vor dem Kampf, den Verlauf währenddessen und kurz nach dem Kampf durch den Kopf gehen lässt, wie wenig sich Pena erst freute, wie wenig Nunes traurig über den Verlust ihres Gürtels war und letztlich, wie einfach es am Ende war, eine „Kampfmaschine“ wie Nunes auszuschalten, dann kommt man doch etwas ins grübeln.

UFC ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen

Die UFC liebt Geschichten und Fans stehen auf Rückkämpfe und Trilogien, wenn es darum geht, dass jemand fällt, aufsteht und wieder den Titel gewinnt. Seit Muhammad Ali im Boxen lieben wir Fans die großen Comebacks. Und es dürfte nicht verwundern, wenn Nunes, natürlich verdientermaßen, einen Rückkampf erhält und sich den Titel zurückholt. Das wird der UFC deutlich mehr PPV-Verkäufe und den Kämpferinnen mehr Aufmerksamkeit einbringen. Monatelang wird bis zum Rückkampf viel los sein und am Ende wollen viele Fans unbedingt dabei sein. Oder?

Es ist wirklich nur ein Gefühl eines Reporters, dass hier etwas vielleicht nicht stimmt. Also kein Vorwurf. Aber die Möglichkeit besteht immer dort, wo viel Geld im Spiel ist, dass man bewusst einen Kampf verliert. Die UFC ist kein Wohlfahrtsverein, sondern ein knallhartes Wirtschaftsunternehmen, die Gewinne einfahren muss. Dafür braucht man viel Spannung und vor allem viele Rivalitäten. Eine neue Rivalität wurde in der Nacht geboren. 

Nunes will stark zurückkommen

Nunes (21-4) verliert zwar ihre Gürtel im Bantamgewicht, aber nicht ihren Glauben an sich selbst. 

„Ich habe heute Abend alles gegeben. Ich habe sehr hart für diesen Kampf trainiert. Glückwunsch an Julianna. Sie ist eine Kämpferin, das wusste ich die ganze Zeit. Wir werden zurück ins Gym gehen, hart trainieren und stark zurückkommen.“

, so Nunes nach dem Kampf. 

Paradiesvogel O’Malley ohne Mühe

Einen großen Sieg feierte auch Sean O’Malley, der Raulian Paiva in der ersten Runde den Zahn zog und via TKO zurück nach Brasilien schickte. Der Paradiesvogel der UFC feierte seinen 15. Karrieresieg im 16. Kampf und macht neugierig auf die Zukunft. 

Pechsträhne von Cody Garbrandt geht auch gegen Kai Kara France weiter

Auch der Neuseeländer Kai Kara France machte es schnell, der etwas überraschend Cody Garbrandt in der ersten Runde durch TKO bezwang. Garbrandt muss sich so langsam aber sicher Gedanken über seinen Verbleib in der UFC machen. Seit dem Gewinn des UFC-Titels im Bantamgewicht gegen Dominick Cruz, klebt ihm das Pech an den Hacken. Sechs seiner letzten sieben Kämpfe hat er nach dem Titelgewinn verloren und mit seinen 30 Jahren ist gerade erst im besten Alter. 

Um aus der Abwärtsspirale herauszukommen, wechselte er sogar ins Fliegengewicht. Aber auch dort fand er kein Glück. Der hochkonzentrierte Kai Kara France vernichtete mit seinen schnellen, starken Fäusten Garbrandts Träume auf ein erfolgreiches Comeback in der UFC. 

Was ist los mit dem Ex-Champion?

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Alle Ergebnisse von der UFC 269 aus der T-Mobile Arena in Las Vegas (USA) 

Main Event

  • Charles Oliveira besiegt Dustin Poirier durch Submission (Rear-Naked Choke) - 3. Runde, 1:02
  • Julianna Pena besiegt Amanda Nunes durch Submission (Rear-Naked Choke) - 2. Runde, 3:26
  • Geoff Neal besiegt Santiago Ponzinibbio durch Split Decision (28-29, 30-27, 29-28) 
  • Kai Kara France besiegt Cody Garbrandt durch TKO (Schläge) - Runde 1, 3:21 
  • Sean O'Malley besiegt Raulian Paiva durch TKO (Schläge) - 1. Runde, 4:42 

Prelims

  • Josh Emmett besiegt Dan Ige durch einstimmige Entscheidung (29-28, 29-28, 30-27)
  • Dominick Cruz besiegt Pedro Munhoz durch einstimmige Entscheidung (29-28, 29-28, 29-28) 
  • Tai Tuivasa besiegt Augusto Sakai durch KO (Schläge) - 2. Runde, 0:26
  • Bruno Silva besiegt Jordan Wright durch TKO (Schläge) - 1. Runde, 1:28 

Frühe Prelims

  • Andre Muniz besiegt Eryk Anders durch Submission (Armbar) - 1. Runde, 3:13 
  • Erin Blanchfield besiegt Miranda Maverick durch einstimmige Entscheidung (30-27, 30-27, 30-27)
  • Ryan Hall besiegt Darrick Minner durch einstimmige Entscheidung (30-27, 30-27, 29-27)
  • Tony Kelley besiegt Randy Costa durch TKO (Schläge) - Runde 2, 4:15
  • Gillian Robertson besiegt Priscila Cachoeira durch Submission (Rear-Naked Choke) - 1. Runde, 4:59